Im Frühjahr 2006 wurden alle aer-Redaktionen im Rahmen einer schriftlichen Befragung um Angaben über die Redaktion sowie ihre Hörfunk- und andere Aktivitäten gebeten. Alle Fragebögen wurden beantwortet. Damit kann nun zum ersten Mal ein umfassenderes Bild von den Aktivitäten der Kirche im Privatfunk gezeichnet werden. Diese variieren von Bundesland zu Bundesland und von Sender zu Sender. Aus diesem Grund wurde die nachfolgende Dokumentation zunächst nach Bundesländern – beziehungsweise nahezu analog dazu: evangelischen Hörfunkredaktionen – gegliedert (Teil I). Es folgt eine Darstellung der Beitragsformen, die von den aer-Redaktionen produziert werden; hier werden unter anderem auch die Wortanteile quantifiziert (Teil II). Dem schließt sich eine Übersicht der Partnersender an, mit Angaben zu Reichweiten und Marktanteilen (Teil III). Resümee und Anhang komplettieren die Darstellung.

Teil I: Bundesländer
(aer-Redaktionen)

Baden-Württemberg

Kennzeichnend für den Privatradiomarkt in Baden-Württemberg ist die vergleichsweise große Sendervielfalt und die Aufteilung der Sendegebiete entsprechend der zwei Landeskirchen zwischen dem Evangelischen Rundfunkdienst Baden ERB gGmbH und der Evangelischen Rundfunkagentur Württemberg (ERA). Produziert werden vor allem Andachten, Sonntagsmagazine (in Kooperation mit anderen christlichen Kirchen) und tagesaktuelle Beiträge. Die ERA beliefert seit 1987 die Sender Hit-Radio ANTENNE 1 (Stuttgart), Radio 7 (Ulm), DONAU 3 FM (Ulm), DIE NEUE 107.7 (Stuttgart), ENERGY (Waiblingen/Ludwigsburg), Radio Neckarburg (Rottweil) und Radio TON (Heilbronn) sowie seit 2000 auch bigFM (Stuttgart). Dieser Sender spielt sowohl inhaltlich als auch in quantitativer Hinsicht eine besondere Rolle, denn bigFM ist landesweit und darüber hinaus auch in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und in Teilen von Hessen und Nordrhein-Westfalen zu empfangen. Mit ihren Verkündigungssendungen und Magazinen erreicht die ERA zusammen mit ihren Partnerredaktionen wöchentlich jeweils etwa 500.000 Hörer. Das Engagement beim Jugendsender bigFM gestalten die ERA und der ERB gemeinsam. Letzterer trägt die redaktionelle Verantwortung für die ökumenische Sonntagssendung bigCHURCH; die ERA wiederum zeichnet verantwortlich für die Beratungssendung „0700 Nighttalk“ und die Gebetssendung „bigPRAY“. Für dieses bundesweit einzigartige Format gehen die Anliegen der Hörer über Internet und Telefon ein.

Ebenfalls in Württemberg aktiv ist Radio M. Die Hörfunkagentur der Freikirchen erstellt in Kooperation mit anderen Kirchen Sonntagsmagazine und Verkündigungssendungen für die oben erwähnten Sender mit Ausnahme von bigFM. In Kooperation mit dem ERB werden auch badische Regionalsender beliefert. Daneben engagiert sich Radio M über die Landesgrenzen hinweg. Produziert werden eine Andacht und eine Magazinsendung für Klassik Radio sowie für ANTENNE THÜRINGEN, ein Magazin für Radio Paradiso sowie Andachten für HITRADIO RTL SACHSEN und RADIO PSR.

Die Versorgung sämtlicher Privatsender in Baden obliegt dem ERB. Neben Verkündigung werden journalistische Beiträge über Kirche und Soziales sowie Talksendungen zu den Themen Religion und Glauben produziert und von bigFM, Radio Regenbogen (in ganz Baden) sowie von fünf Regionalsendern ausgestrahlt. Bei einer Sonderauswertung der Reichweiten-Analyse der Landesanstalt für Kommunikation im Jahre 2004 verzeichnete der ERB 14-tägig 1,123 Millionen Menschen. Nach der MA 2006/II erreichen ERA und ERB gemeinsam alle 14 Tage 2,87 Millionen Menschen. Ähnlich wie die ERA in Württemberg ist auch der ERB in Baden in besonderem Maße im TV- und Internetbereich aktiv. So sind beide kirchlichen Agenturen an bw family.tv als Gesellschafter beteiligt.

Bayern

Partnerin des privaten Hörfunks in Bayern ist die Radioredaktion des Evangelischen Presseverbandes, die Evangelische Funk-Agentur (efa). Die efa beliefert den landesweiten Radiosender ANTENNE BAYERN, zahlreiche Lokalsender sowie das landesweite Mantelprogramm des bayerischen Lokalfunks (BLR). Die Zusammenarbeit mit ANTENNE BAYERN läuft bereits seit 1987, dem Jahr der Lizenzierung des privaten Marktführers. Neben einem kirchlichen Magazin steuert die efa journalistische Beiträge sowie eine verkündigende Sendung bei. Für Charivari 98,6 (Nürnberg) gestaltet die efa wöchentlich eine komplette Magazinsendung und für Radio Galaxy eine zweistündige monothematische Jugendsendung („Lifeline“). Darüber hinaus werden 10 bis 15 Lokalsender regelmäßig mit Beiträgen für ihre Sonntagsmagazine beliefert. Produktionen der efa wurden von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien wiederholt mit Hörfunkpreisen ausgezeichnet. Für die hohe Akzeptanz der Privaten in Bayern sprechen die guten Werte bei Tagesreichweite und Hördauer. Gemeinsam mit anderen Abteilungen des Evangelischen Presseverbandes engagiert sich die efa auch im TV-Bereich.

Berlin/Brandenburg

Der Radiomarkt in Berlin-Brandenburg gilt als der vielfältigste in ganz Deutschland. Zu den Anbietern gehört Radio Paradiso, das „einzige christliche Privatradio Deutschlands“ - mit Studios und Frequenzen in Berlin, Frankfurt/Oder, Guben (ab Oktober 2006) und Eisenhüttenstadt (ab 2007). Mit Radio Paradiso geht es „kontinuierlich aufwärts“ (Jahrbuch 2005 der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten). Das Tagesprogramm ist von geringen Abweichungen abgesehen durchformatiert. Es gibt stündlich Nachrichten und Service (Wetter/Verkehr) sowie zu jeder halben Stunde die „Gedanken zum Auftanken“. Sendestrecken wie „Der sanfte Morgen“ oder „Der entspannte Nachmittag“ enthalten pro Stunde mal zwei, mal vier Wortblöcke von jeweils bis zu 120 Sekunden Länge. Deutlich höher ist der Wortanteil in wöchentlichen Magazinsendungen wie „Mehr als Ja und Amen“, produziert von Radio M, oder in „Einfach himmlisch“, einer Sonntagssendung, für die der Evangelische Rundfunkdienst (ERD) – Privatfunk – verantwortlich zeichnet. Der ERD produziert außerdem die „Frage an den Bischof“, eine Sendereihe mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber, sowie eine Sonntagsandacht mit sechs Beiträgen von insgesamt bis zu 15 Minuten Wort. Darüber hinaus liefert der ERD Nachrichten-O-Töne an BB RADIO und 94,5 Radio Cottbus und versorgt weitere Privatfunkredaktionen im Bundesgebiet mit kirchlichen Informationen aus der Hauptstadt. Dabei sieht das staatliche Rundfunkrecht in Berlin-Brandenburg ein Drittsenderecht der Kirchen bei privaten Rundfunkanbietern nicht vor. Im TV-Bereich arbeitet der ERD bei besonderen Anlässen mit den Sendern N24 und TV.BERLIN zusammen. So gab es beispielsweise anlässlich des Trauergottesdienstes für Johannes Rau eine Kooperation mit N24.

Hamburg/Schleswig-Holstein

Die Privatsender in Hamburg und Schleswig-Holstein werden vom Evangelischen Rundfunkdienst Nord (ern), einer Abteilung der ern media GmbH, mit kirchlichen Programmbeiträgen versorgt. Der ern unterhält Redaktionen in Hamburg und Kiel und kooperiert jeweils mit dem Katholischen Rundfunkreferat. In Hamburg ist der ern für zwei Sender aktiv: Radio Hamburg und 106!8 rock’n pop (vormals Alsterradio). Die Kieler Redaktion verantwortet wiederum die Sendungen bei R.SH Radio Schleswig-Holstein, delta radio und Radio NORA. Beigesteuert werden hier ausnahmslos Sonntagsmagazine, die jeweils zwischen 6 und 9 Uhr ausgestrahlt werden. Da alle Sender landesweit empfangbar sind und es sich bei R.SH und Radio Hamburg zugleich um die Marktführer handelt, sind die Reichweiten entsprechend hoch.

Hessen

In Hessen verantworten die Mitarbeiter der Medienagentur der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (medio) sowie der Privatfunkagentur der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (PAK) gemeinsam mit ihren katholischen Kollegen das Privatfunkprogramm der Kirchen. Tonangebend ist hier HIT RADIO FFH. Der Marktführer erhält eine Mixtur aus journalistischen Beiträgen, tagesaktuell und im Sonntagsmagazin. Ähnliches gilt für radio harmony.fm. Eine Talksendung mit einem Wortanteil von 35 Minuten geht an das Wirtschaftsradio MAIN FM, ein Sonntagsmagazin an SkyRadio. Mit Nachrichtenmeldungen aus der christlichen Musikszene wird planet radio beliefert. Hinzu kommen Beiträge für das kirchliche Magazin bei Klassik Radio. An Sonntagen werden allein in Hessen mehr als eine Million Hörerinnen und Hörer erreicht. Die von HIT RADIO FFH ausgestrahlte Sendung „Kreuz & quer“ wurde 1997 mit dem „International Radio Award“ ausgezeichnet, einer Art Oscar für die beste religiöse Radiosendung weltweit. Einen besonderen Schwerpunkt legt die PAK in Frankfurt auf die Ausbildung: in einem breit angelegten Workshop-Programm gibt es Angebote für Einsteiger und Fortgeschrittene (wie freie Mitarbeiter und Praktikanten).

Niedersachsen

„In Niedersachsen hören mehr Menschen Radio als im Bundesdurchschnitt.“ Gestützt wird diese Aussage im Jahrbuch 2005 der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten durch Angaben zu Tagesreichweite und Hördauer – in beiden Fällen verzeichnet Niedersachsen überdurchschnittliche Werte. Davon profitiert auch der Evangelische Kirchenfunk Niedersachsen GmbH. Er versorgt die beiden landesweiten Privatsender radio ffn (seit 1987) und Hit-Radio Antenne (seit 1990) sowie RADIO 21 (seit 2000) mit tagesaktuellen Beiträgen, monothematischen Spezialsendungen, kompletten Magazinen, Regionalmeldungen und besonderen Formaten wie dem „Hit from Heaven“. An Wochentagen erreicht ekn zwischen 450.000 und 1.250.000 Hörer; am Wochenende sind es bis zu zwei Millionen Menschen. Für die journalistische Qualität der Beiträge sprechen zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem der renommierte Robert Geisendörfer Preis 2006 sowie mittlerweile 20 Hörfunkpreise der Niedersächsischen Landesmedienanstalt. Gerade in jüngster Zeit hat ekn mit neuen Formaten wie einer Kolumne mit Landesbischöfin Margot Käßmann (in Kooperation mit der BILD-Zeitung) und einer zeitgeschichtlichen Comedy-Reihe („Wer hat an der Uhr gedreht?“) von sich reden gemacht. Ekn hat als erste kirchliche Redaktion in Deutschland das Podcasting angeboten und beliefert neben den privaten auch öffentlich-rechtliche Programme (vor allem Deutschlandradio und Deutschlandfunk).

Nordrhein-Wesfalen

In Nordrhein-Westfalen hat sich der Gesetzgeber für ein bundesweit einmaliges Modell entschieden - beim so genannten Zwei-Säulen-Modell sind wirtschaftliche und publizistische Verantwortung getrennt. Entstanden sind 46 Lokalstationen, die von radio NRW mit einem Mantelprogramm beliefert werden. Die evangelischen Verkündigungssendungen werden im Auftrag der drei Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe von der Redaktion PEP erstellt (Programm der Evangelischen Kirchen für den Privatfunk in NRW). Dabei handelt es sich um zwei regelmäßige Sendungen: „Himmel und Erde“, ein einstündiges Magazin an Sonn- und Feiertagen, sowie pro Werktag einen Verkündigungsbeitrag mit dem Titel „Augenblick mal!“. Das Magazin hat einen festen Sendeplatz von 8 bis 9 Uhr im Mantelprogramm von radio NRW, der Verkündigungsbeitrag wird von Lokalstationen „floatend“ zwischen 6 und 9 Uhr ausgestrahlt. Beide Sendungen erreichen jeweils etwa eine Million Hörerinnen und Hörer. Auf Anfrage erstellt die Redaktion auch aktuelle Beiträge für das Tagesprogramm von radio NRW.

Sachsen

Sachsen gehört ebenfalls zu den Bundesländern mit einer überdurchschnittlichen Hörfunknutzung. Marktführer bei den Privaten ist RADIO PSR. Hier unterhält die Evangelische Verlagsanstalt (EVA) GmbH eine Kirchenredaktion. Wochentäglich werden eine Andacht sowie ein journalistischer Beitrag gesendet, am Wochenende ein Magazin. Weitere aktuelle Beiträge werden nach Bedarf produziert. Darüber hinaus steuert die Redaktion für das Wochenendprogramm des Senders R.SA einen Musikbeitrag bei. Außerdem läuft bei apollo radio von montags bis freitags eine Andacht; hier wechseln sich die Kirchenredaktionen von RADIO PSR und HITRADIO RTL SACHSEN ab. Diese ebenfalls von der EVA GmbH unterhaltene Kirchenredaktion erstellt außerdem für HIT-RADIO RTL SACHSEN in Kooperation mit der katholischen Redaktion eine Andacht für jeden Wochentag sowie ein Sonntagsmagazin. Für die News werden aktuelle kirchliche Nachrichten zugeliefert. Über die Stadtradiokette wird ebenfalls eine Andacht an Wochentagen ausgestrahlt. Alle Andachten werden zweimal täglich gesendet. Damit sind die beiden evangelischen Kirchenredaktionen in den Programmen der vier großen Privatfunkanbieter Sachsens vertreten.

Saarland

Unter den Sendern im Saarland hat Radio Salü bei den Hörern zwischen 14 und 49 Jahren die Nase vorn: Der private Sender erreicht in dieser Zielgruppe einen Marktanteil von 53,9 Prozent und damit mehr als alle regionalen ARD-Programme zusammen. Radio Salü wird vom Beauftragten im Evangelischen Rundfunkreferat Saar mit zwei journalistischen Beiträgen in der Woche sowie einem verkündigenden Beitrag am Sonntag beliefert. Der Beauftragte ist zudem Vorsitzender des Vereins „Radio Salü – Wir helfen e.V.“ und der Spendenaktion STERNENREGEN und steuert für diese Aktion in der Zeit von Mitte November bis Mitte Januar insgesamt rund 40 journalistische Beiträge sowie 250 Spots bei. Außerdem liefert der Beauftragte Themen und Termine an SaarTV. Angestrebt wird eine Zusammenarbeit mit bigFM-Saarland.

Bundesweite Verbreitung

Eine Sonderrolle unter den kirchlichen Redaktionen in Deutschland nimmt der Evangeliums-Rundfunk (ERF) mit Sitz in Wetzlar ein, der sein Hörfunkprogramm unter anderem über Satellit, Mittelwelle und Internet bundesweit verbreitet. Das 24-Stunden-Programm gliedert sich in zwei Tagesflächen mit unterschiedlichen Zielgruppen. Bis 12 Uhr wird tendenziell eher ein älteres Publikum angesprochen, danach stärker die mittlere Generation. Sendungen wie „Aufgeweckt“ (6 Uhr), „Calando, Kultur und Charaktere“ (16 Uhr) oder „Lesezeichen“ (19 Uhr) strukturieren das Programm. Mit „JoeMax“ und „babbelgamm“ richten sich zwei Formate an Kinder unterschiedlichen Alters. Die Programmverantwortlichen gehen von etwa 100.000 Dauerhörern aus. Hinzu kommt CrossChannel.de, das junge Radio des ERF, das über Internet und Handy verbreitet wird. Im TV-Bereich produziert der ERF zwei Halbstundenformate für säkulare Sender sowie zwei Stunden pro Tag für bibel tv.